
Münchens Olympia-Macher haben schon ihr Ja-Wort, jetzt sind die Bürgerinnen und Bürger in Nordrhein-Westfalen am Zug. Millionen Menschen stimmen noch bis Sonntag in 17 NRW-Städten darüber ab, ob ihre Kommune Teil der Bewerbung "KölnRheinRuhr" für Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 werden soll. Nur wenn eine Mehrheit dafür abstimmt und sich genug Bürger am Votum beteiligen, kann NRW seine Pläne für Olympia und Paralympics im nationalen Kandidaten-Vierkampf weiterverfolgen.
Münchens Projekt hatte schon im Herbst des Vorjahres eine unerwartet deutliche Zwei-Drittel-Mehrheit bei einem Bürgerentscheid erzielt. Hamburg lässt Ende Mai abstimmen, Berlin hingegen verzichtet auf ein Referendum.
In NRW können mehr als vier Millionen Wahlberechtigte bis Sonntag ihr Votum per Briefwahl abgeben. Das Konzept der Bewerbung setzt auf eine dezentrale Austragung der Wettbewerbe und dennoch kurze Wege. 17 Städte würden als Austragungsorte eingebunden, um bestehende Sportstätten optimal zu nutzen und Neubauten zu vermeiden. Statt einer einzelnen Gastgeberstadt steht die Region Rhein-Ruhr mit Köln als "Leading City" im Fokus.
NRW-Konzept: Zuschauerrekord und nachhaltige Nutzung
Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) trommelte bereits früh für die "spektakulärsten, kompaktesten und nachhaltigsten Spiele" und versprach einen Zuschauerrekord mit 14 Millionen Tickets, jedes zehnte davon vergünstigt. Vorgesehen sind etwa 60.000 Zuschauerinnen und Zuschauer beim Schwimmen auf Schalke, 50.000 beim Handball, Basketball und Volleyball in der Düsseldorfer Arena oder 70.000 beim Fußball im Stadion in Dortmund.
Nach den Spielen sollen das in Köln geplante temporäre Leichtathletikstadion und das Athletendorf in ein Stadtquartier für rund 10.000 Menschen umgewandelt werden. Befürworter sehen in Olympischen und Paralympischen Spielen in NRW eine große Chance für die Region – für mehr Zusammenhalt, internationale Aufmerksamkeit und nachhaltige Impulse für Sport, Stadtentwicklung und Inklusion.
Kritiker warnen vor hohen Kosten. Die Durchführungskosten werden auf rund 4,8 Milliarden Euro geschätzt. Dem sollen prognostizierte Einnahmen von etwa 5,2 Milliarden Euro gegenüberstehen, etwa durch Ticketverkäufe, Sponsoring und Medienrechte. Vergangene Spiele wurden allerdings oft deutlich teurer als geplant. Kritisch gesehen wird auch eine mögliche Belastung für Kommunen und das Fehlen finanzieller Mittel an anderer Stelle, etwa im sozialen Bereich.
Münchens Votum sichert deutsche Bewerbung schon jetzt
Ein Mitbewerber legte bereits eindrucksvoll vor: Ende Oktober votierten 66,4 Prozent für eine Olympia-Bewerbung von München – das erste erfolgreiche Referendum zu Sommerspielen weltweit. Eine ähnlich hohe Zustimmungsquote für NRW wäre überraschend, auch wenn Umfragen zuletzt positive Tendenzen zeigten. In einer Forsa-Umfrage im Auftrag von 39 NRW-Tageszeitungen sprachen sich jüngst 54 Prozent der Menschen in den 17 Bewerberstädten für eine Bewerbung aus.
Für ein positives Votum reicht in NRW nicht nur eine Mehrheit für "Ja", es muss auch ein Quorum erfüllt sein: In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigten zustimmen, in kleineren Kommunen bis zu 20 Prozent. Scheitert eine Kommune, scheidet sie aus der Bewerbung aus. Während kleinere Standorte möglicherweise ersetzt werden können, könnte ein Nein in großen Städten die gesamte Bewerbung gefährden.
Für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ist eine deutsche Bewerbung ohnehin klar. "Mit München hat bereits ein nationaler Bewerber das Ziel erreicht. Insofern geht es am kommenden Sonntag nicht mehr um die Frage, ob es eine deutsche Bewerbung geben wird, sondern darum, ob es Olympische und Paralympische Spiele in KölnRheinRuhr beziehungsweise Segeln in Kiel geben kann", sagte DOSB-Präsdient Thomas Weikert.
Weitere Konkurrenz aus Hamburg und Berlin
Ein positives Votum aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland sowie aus Kiel, wo am Sonntag über eine Beteiligung an einer Olympia-Bewerbung mit Segelwettbewerben abgestimmt wird, bewertet Weikert dennoch als wichtiges Signal für die Gesamtbewerbung. Auch die Münchner Olympia-Organisatoren hoffen auf weitere positive Signale für eine breite gesellschaftliche Akzeptanz in Deutschland und drücken den Städten in NRW die Daumen.
Auch die Konkurrenz aus Hamburg, wo das Referendum am 31. Mai ansteht, sowie Berlin, wo das Abgeordnetenhaus über eine Bewerbung entscheidet, wird das Votum in NRW aufmerksam verfolgen. Berlins Olympiabeauftragter Kaweh Niroomand betonte zuletzt, dass auch die anderen Bewerber überzeugende Konzepte hätten und das entscheidende Ziel Olympische Spiele in Deutschland seien, die Hauptstadt jedoch in Sachen Bekanntheitsgrad international am besten aufgestellt sei.
Für den DOSB sind die internationale Wettbewerbsfähigkeit ebenso wie die Ergebnisse der Bürgerentscheide jeweils nur einzelne Kriterien in einer umfassenden Bewertungsmatrix, mit der alle Kandidaten beurteilt werden. Am 26. September will der Verband den deutschen Bewerber festlegen. Erst danach – wohl frühestens 2027 – trifft das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Entscheidung über den weltweit möglichen Austragungsort.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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