
Mikaela Shiffrin hatte gut lachen. Im Auto in Schweden witzelte der Ski-Star mit Rivalin Camille Rast herum. Dass ein Teil des Gepäcks auf dem Weg nach Are verloren ging, schien die gute Laune der Amerikanerin nicht zu vermiesen. Zu einem Schnappschuss der illustren Fahrgemeinschaft schrieb Shiffrin bei Instagram: "Emma Aicher, wo bist du?" Die Deutsche antwortete mit einem Blödel-Selfie von sich auf der Couch, die Zunge herausgestreckt. "Auf dem Weg (bald)", schrieb Aicher. Vor dem vielleicht vorentscheidenden Wochenende im Gesamtweltcup könnte die Stimmung kaum gelöster sein.
Das liegt auch daran, dass just Shiffrin nach den jüngsten Ergebnissen und zwei Patzern von Aicher als große Favoritin auf die große Kristallkugel in die letzten Saisonrennen geht. 125 Punkte Vorsprung auf das deutsche Ski-Juwel hat die Amerikanerin vor dem Riesenslalom am Samstag (10.00/13.00 Uhr) und dem Slalom am Sonntag (09.30/12.30 Uhr/ARD und Eurosport) in Are.
Schafft sie die Bestmarke der "Jahrhundert-Skisportlerin"?
Danach folgen nur noch die vier Rennen - eines pro Disziplin - beim Saisonfinale in Lillehammer. Und spätestens dann will die Ausnahme-Rennfahrerin aus den USA ihren sechsten Gesamtweltcup bejubeln und einen Rekord egalisieren: Sechs große Kristallkugeln bei den alpinen Frauen hatte bislang nur Österreichs "Jahrhundert-Skisportlerin" Annemarie Moser-Pröll gewonnen.
Mit 108 Einzelsiegen im Weltcup liegt Shiffrin in der ewigen Bestenliste weit vorn. An ihre bislang 166 Podestplätze kommt ebenfalls niemand ran. In mehr als der Hälfte ihrer Weltcup-Starts raste sie unter die Top 3. Dazu kommen acht WM-Titel und sieben weitere Medaillen bei Weltmeisterschaften.
Zum 31. Geburtstag: Shiffrin an "Übergang" in Karriere
Wie viele Erfolge können da noch folgen? Vor ihrem 31. Geburtstag an diesem Freitag sagte die beste Alpin-Athletin der Gegenwart in einer US-Talkshow: "An diesem Zeitpunkt meiner Karriere bin ich irgendwie an einem Übergang." Sie war gefragt worden, ob sie schon Pläne habe für die Zeit nach dem Leistungssport. "Wenn man seine Karriere beendet - nicht dass ich sie jetzt beenden würde - dann ist es schwer, herauszufinden, was als Nächstes kommt."
Die Amerikanerin wirkt sehr mit sich im Reinen. Kein Wunder nach den Winterspielen von Cortina d'Ampezzo, wo sie nach ihrem Olympia-Debakel 2022 in Peking nun Gold im Slalom gewonnen und mit den fünf Ringen Frieden geschlossen hatte. In dem Gespräch mit dem Entertainer und ehemaligen Football-Profi Pat McAfee schilderte Shiffrin, wie akribisch sie die Gold-Mission angegangen war: "Überall hatte ich Mantras, am Spiegel klebten Nachrichten, mein ganzes Team war da, auch mein Psychologe."
Social-Media-Pause gegen Online-Hass
So dominant Shiffrin seit Jahren die Skihänge hinunter wedelt, so sehr setzte sie sich zumeist in ihrer Karriere auch selbst unter Druck. Sie erzählte, sich jahrelang regelmäßig vor Aufregung übergeben zu haben, teilweise noch kurz vor den Rennen. Bei Olympia in China 2022 patzte sie in allen ihren Rennen und reiste ohne Medaille nach Hause. Beim Cortina-Slalom fuhr sie mit dem famosen Vorsprung von eineinhalb Sekunden zur dritten Olympia-Goldmedaille.
Von den sozialen Medien hielt sie sich in der Zeit übrigens komplett fern - und das war sicher eine gute Entscheidung. Etwa einen Monat nach den Spielen veröffentlichte sie Hasskommentare, die während Olympia im Internet an sie gerichtet wurden. Sie wurde etwa als "wertloses Stück Scheiße" beschimpft, ein User meinte deutlich ironisch: "Es wäre so schade, wenn du dich verletzt und nie wieder skifahren kannst." Jemand anderes schrieb: "Schäm dich, du Verräterin." Shiffrin hatte sich zuvor zur politischen Situation in den USA geäußert und ein Plädoyer für Inklusion, Diversität und Freundlichkeit gehalten.
Generationenduell mit Aicher
Ob sie bei Olympia 2030 in Frankreich nochmal antreten werde, das wisse sie noch nicht. "Vier Jahre fühlen sich nach so einer langen Zeit an", meinte sie jüngst in Interview mit "USA Today". "Aber sie gehen zugleich so schnell vorbei." Eines sei dabei unverändert, wie sie unterstrich: "Ich liebe Skifahren."
Die Duelle mit den jungen Wilden können da eine zusätzliche Motivation sein, etwa am Wochenende in Are. Der malerische Ort hat für Shiffrin eine besondere Bedeutung: Dort gewann sie im Dezember 2012 ihr erstes Weltcup-Rennen. Emma Aicher - eine gebürtige Schwedin - war damals übrigens neun Jahre alt.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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