
Am Tag nach ihrem zweiten Grand-Slam-Triumph posierte Jelena Rybakina im eleganten roten Kleid am Ufer des Yarra River. Vor der Skyline von Melbourne reckte die Kasachin den Daphne Akhurst Memorial Cup in die Höhe und setzte ihr schönstes Siegerlächeln auf.
Aber auch beim traditionellen Fotoshooting blieb sich die 26-Jährige treu. Rybakina präsentierte sich so, wie sie auch Tennis spielt: elegant, einfach und ohne großes Tamtam. Kein teurer Schmuck, wie ihn ihre Finalgegnerin Aryna Sabalenka gerne trägt, kein übertriebener Glitzer. Die Kasachin trat auch am Tag nach dem Gewinn ihres ersten Australian-Open-Titels ganz natürlich vor die Kameras.
Geheimfavoritin liefert
Im Endspiel hatte sie Sabalenka in einem spannenden Duell mit 6:4, 4:6, 6:4 niedergerungen und der Weltranglisten-Ersten damit eine weitere bittere Finalniederlage zugefügt. Schon im vergangenen Jahr hatte sich die zweimalige Melbourne-Siegerin im Finale der Amerikanerin Madison Keys geschlagen geben müssen.
Rybakina war als Geheimfavoritin nach Australien gereist. Gegen Ende des vergangenen Jahres hatte sie die WTA Finals in Saudi-Arabien gewonnen - auch dort im Finale gegen Sabalenka. Der Lohn: ein Rekordpreisgeld in Höhe von 4,42 Millionen Euro.
Umstrittener Trainer
Es war die Krönung eines komplizierten Jahres, in dem vor allem ihr umstrittener Trainer Stefano Vukov im Mittelpunkt stand. Ende 2024 hatte sich Rybakina von Vukov getrennt und in Goran Ivanisevic einen prominenten Namen der Szene als Nachfolger präsentiert. Doch der Ex-Coach von Novak Djokovic kam gar nicht dazu, große Akzente zu setzen, weil Rybakina Anfang der Saison plötzlich doch wieder Vukov anheuerte.
Und das, obwohl der heute 38-Jährige zu diesem Zeitpunkt von der Frauen-Organisation WTA gesperrt war. Vukov wurde vorgeworfen, sich unangemessen gegenüber Rybakina verhalten zu haben. "The Athletic" berichtete von verbalem und körperlichem Missbrauch. Rybakina hat die Vorwürfe gegen ihren Coach stets zurückgewiesen. Vukov habe sie nie falsch behandelt, sagte die Kasachin stets zu diesem sensiblen Thema.
Starke Bilanz seit Wimbledon
Auch der Coach bezeichnete die Anschuldigungen als falsch und hatte schließlich mit einem Einspruch Erfolg. Seit August ist er wieder als Chefcoach mit Rybakina unterwegs - und das mit großem Erfolg. Seit Wimbledon hat keine Spielerin auf der Tour mehr Partien gewonnen als Rybakina (36). Keine Sabalenka, keine Coco Gauff, keine Iga Swiatek.
"Ich fühle mich einfach gut. Ich spiele sehr aggressiv", kommentierte Rybakina diese eindrucksvolle Statistik. Im Endspiel überzeugte die Kasachin zudem mit großer Nervenstärke. Als Sabalenka aus dem Nichts den zweiten Satz gewann und im entscheidenden Durchgang schnell auf 3:0 davonzog, blieb Rybakina ruhig und schaffte die Wende. Sie nahm damit zugleich Revanche für die Finalniederlage gegen Sabalenka vor drei Jahren.
Nummer eins als Ziel
In der aktuellen Form ist Rybakina das Maß aller Dinge im Frauen-Tennis. Gegen ihren starken Aufschlag und ihre wuchtige Vorhand findet kaum eine Gegnerin ein Mittel. Im Endspiel von Melbourne auch die für ihre Wucht bekannte Sabalenka nicht. Und im Moment ihres zweiten Grand-Slam-Titels nach Wimbledon 2022 ging Rybakina dann zumindest auch einmal kurz mit ihren Worten in die Offensive. Ob Platz eins in der Weltrangliste jetzt das nächste Objekt der Begierde sei, wurde die Kasachin gefragt. "Ja, ich habe große Ziele", sagte Rybakina.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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