
Ein Vulkan am Spielfeldrand Stefan Hübner nicht. Der Trainer von Volleyball-Pokalsieger SVG Lüneburg hilft seinem Team in wichtigen Phasen mit kühlem Kopf. "Ich glaube, dass man schon Dinge auch vorleben muss. Ich kann ja nicht jetzt eine Auszeit nehmen und dann losbrüllen: "Leute, wir müssen jetzt ruhig bleiben!"", sagt der Erfolgscoach, der in dieser Saison noch das Triple holen kann. Diese Philosophie hat ihn zum begehrtesten Coach in Deutschland gemacht, er wurde schon als neuer Bundestrainer gehandelt. Doch Hübner hat in der Kleinstadt in Niedersachsen noch einiges vor.
Nordisch-nüchtern kommt der 50-Jährige oft rüber, als Mangel an Emotionalität sollte das aber nicht verstanden werden. "Ich bin kein Roboter, um Gottes willen", sagt er der Deutschen Presse-Agentur. "Ich glaube, die Sache ist nur, wie ich dann in der Situation damit umgehe. Lasse ich das immer einfach frei raus? Ist das hilfreich in dem Moment?"
Noch Titelchancen in Europa und der Meisterschaft
Auf den Vizemeister und Deutschlands Trainer des Jahres 2025 kommen einige dieser hitzigen Momente zu. Im CEV-Cup steht das Team gegen Greenyard VC Maaseik im Halbfinale. Nach dem 3:1 im Hinspiel könnte sich Lüneburg im Rückspiel zu Hause am 2. April sogar eine knappe Niederlage leisten und stünde trotzdem zum zweiten Mal nach 2024 im Endspiel.
Am Samstag steht davor noch der Playoff-Auftakt in der Bundesliga gegen Herrsching an. Die Niedersachsen haben die Hauptrunde zum ersten Mal auf Platz eins vor Serienmeister Berlin Volleys beendet und gehen als Titelfavorit in die K.o.-Phase. Kontinuierlich haben sich die Lüne-Hünen seit dem Aufstieg vor zwölf Jahren verbessert und professionalisiert. Schon in seiner ersten Spielzeit 2014/2015 führte Ex-Nationalspieler Hübner das Team ins Pokalfinale.
Den Final-Fluch gegen Friedrichshafen besiegten sie dann endlich Ende Februar und holten sich den ersten großen Titel der Club-Geschichte. "So eine Mentalität zu gewinnen und diesen letzten Schritt zu gehen, das ist was, was man auch schon so ein bisschen erfahren muss und lernen muss", erklärt der Trainer.
Kapitän Elser: "Er kümmert sich um uns"
Dass Hübner einen riesigen Anteil am Aufstieg der Niedersachsen hat, wird aus jedem Gespräch mit Wegbegleitern deutlich. "Er kennt sich sehr gut aus, aber er kümmert sich um uns und sorgt dafür, dass es uns auch abseits des Spielfelds gut geht, damit wir auf dem Spielfeld unsere Leistung bringen können", sagt Kapitän Jesse Elser, der im Sommer auch wegen Hübner nach Lüneburg zurückkehrte. "Wir führen tolle Gespräche. Manchmal geht es um Volleyball, meistens aber nicht. Es geht einfach ums Grillen oder um unsere Katzen oder darum, dass er sich nach meiner Familie erkundigt."
Auch der Trainer sieht es als Erfolgsrezept, wenn "die Spieler fast das Gefühl haben, sie stehen mit ihren besten Kumpels auf dem Feld". Was umso erstaunlicher ist, weil die Fluktuation im Kader der Niedersachsen fast in jedem Sommer groß ist. "Da sind wir seit Jahren immer wieder positiv überrascht, was er aus dem Karton zaubert", sagte Geschäftsführer Andreas Bahlburg mal über das Transfer-Händchen von Hübner.
Immer wieder findet der 50-Jährige die richtige Mischung und lässt das Team schnell zusammenwachsen. Es sei eine seiner Stärken, "ein sehr gutes Gespür für Menschen zu haben, was eine Gruppe braucht, welche Bausteine, wie was zusammenpasst", erklärt Hübner.
Beim Bundestrainer-Posten kam Hübner ins Grübeln
Dabei findet er es auch wichtig, dem Team Raum zu geben, selbst zu wachsen. Hübner überlegt genau: Wo muss er mehr pushen? Wo sind sich die Spieler untereinander selbst die besten Motivatoren? "Das kann von Gruppe zu Gruppe auch mal unterschiedlich sein, von Jahr zu Jahr", sagt er.
Es ist angesichts dieser Qualitäten nicht überraschend, dass Hübner in Deutschland und international begehrt ist. Er entschied sich aber für eine langfristige Verlängerung in Lüneburg bis 2030. Bei der Bundestrainer-Frage habe er schon innegehalten und mit der Familie beraten, sagt Hübner. "Das ist sicherlich eine ganz tolle, reizvolle Aufgabe, aber am Ende sind wir zu dem Schluss gekommen, dass nach wie vor für uns alles hier sehr gut passt", sagt er. "Mal gucken, was irgendwann später ist. Also ich würde da niemals nie sagen zu irgendwas, aber aktuell ist es hier sehr, sehr reizvoll."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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